Box des Monats – Heike Rechner

In unserer Rubrik „Box des Monats“ stellen wir Ihnen in lockerer Folge unsere AusstellerInnen näher vor.

Kleinod: Frau Rechner, darf ich Sie zuerst fragen, wie Sie auf den Namen „Annajulie“ gekommen sind, ein Name, hinter dem sich ganz traditionelle und bodenständige Handwerkskunst verbirgt, Arbeiten aus vielerlei Textilien, mit Knöpfen, Bändern, aus Leder, kurz, aus allem, was sich mit Nadel und Faden verbinden lässt?

Heike Rechner: „Annajulie“ – man spricht es französisch aus – ist eine kleine Liebeserklärung an meine Familie, besonders an meine Mutter, die mich auf dem Weg zu den Stoffen, den Applikationen und Nähtechniken geleitet und begleitet hat. Meine Mutter hat lange Jahre in einem führenden Fachgeschäft für Wäsche gearbeitet. Durch sie weiß ich, was gutes Leinen ausmacht, was Flanell ist, woran man hochwertige Baumwolle erkennt, was mit den Begriffen Toile-de-Jouy oder Jacquard gemeint ist. Das Nähen und Handarbeiten überhaupt faszinierten mich schon als Kind. Als Fünfjährige bekam ich dann meine eigene Kindernähmaschine. Auf der habe ich dann Puppenkleider genäht. Heute fertige ich in meinem Atelier Taschen, Geldbörsen, Kissen, Teppiche, Topflappen, Unterarmtaschen, Ohrstecker und Wickelarmbänder, Knöpfe und applizierte Handtücher – jedes Stück ein Unikat. Die Bilder verdeutlichen die Vielfalt meiner Produkte ein wenig.

Kleinod: Wenn ich mir anschaue, wie viele, viele kleine und kleinste Stoffteilchen hier zu einem Ganzen vernäht werden, wenn ich mir die Feinheit der Muster ansehe, dann frage ich mich natürlich, ob Sie dafür nicht jede Menge Verschnitt in Kauf nehmen müssen?

Rechner: (lacht) Oh nein, bei mir gibt es kaum Verschnitt. Im Gegenteil. Ich achte bei meinen Produkten sehr auf die Wiederverwendung, schaue, dass ich ausrangierte Textilien (Vorhänge, Jeans, Tweedjacken, etc.) ein zweites Leben schenken kann für eine möglichst lange und gute Alltagstauglichkeit. Man nennt es diese nachhaltige Verwendung von Materialien auch Upcycling. Das Upcycling war schon Thema in meinen Werken, als es den Begriff dafür und Annajulie noch gar nicht gab.

Kleinod: Beim Stichwort Nachhaltigkeit schaue ich ´mal hier aus dem Fenster auf Ihren schönen Garten. Ist denn die Vielfalt und diese durchgehende Gestaltung Hobby oder Teil des Atelierbetriebes?

Rechner: Na ja, Teil des Atelierbetriebes eigentlich nicht, auch wenn der Garten die BesucherInnen meines Ateliers sehr erfreut. Aber wenn ich genauer überlege, dann ist die Gartenarbeit meine Erholung, meine Rekreationszeit. Ich gärtnere zum Ausgleich und insofern hängt das schon auch zusammen. Jetzt zum Beispiel, nach sechs Wochen mit sechs Märkten, da fällt einem nur noch „Entspannen“ ein, und das kann ich bei der Arbeit im Garten im Frühjahr und Sommer ganz prima.

Kleinod: Gestatten Sie mir noch eine Frage: Spielen Sie ein Instrument?

Rechner: Wie kommen Sie denn darauf? Ja, es stimmt, ich habe früher Klavier gespielt.

Kleinod: Für die letzte Frage gibt es einen einfachen Grund: Musik und Gestaltung haben ja viel mit Reihung und Steigerung, Rhythmus und Harmonie zu tun, und das zeigt sich in Ihren Arbeiten. Ich bedanke mich sehr herzlich für das Gespräch mit Ihnen.

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Thema von Anders Norén